E-Reader oder Buch?

Nachhaltigkeit und Zero Waste beschäftigen mich in allen Lebensbereichen. Irgendwann habe ich mir also die Frage gestellt, was denn eigentlich „nachhaltiger“ ist, wenn es um das Thema LESEN geht. Ökologisch gesehen, verbraucht ein gedrucktes Buch natürlich Ressourcen (Papier, Druckertinte), zudem müssen die Bücher zum Verbraucher gebracht werden und beim Transport wird bspw. C02 freigesetzt. Gleiches gilt für ein E-Book, zunächst werden Ressourcen zur Herstellung des E-Readers verbaucht (hier unter anderem seltene Erden und andere Rohstoffe), dann benötigt der E-Reader Strom für den Betrieb, auch dieser muss gewonnen werden und schließlich geht es auch um die fachgerechte Entsorgung des E-Readers.

Nur welche Variante ist ökologisch betrachtet sinnvoller? Vorweg, wie immer ist diese Frage nicht ganz einfach zu beantworten, es gibt eben selten die eine klare Antwort, denn in jeder Lebenssituation spielen ja noch diverse andere Einflussfaktoren eine Rolle. Unterschiediche Studien sind dieser Frage bereits nachgegangen und letzentlich zu dem Schluss gekommen, dass die Frage insbesondere vom Nutzerverhalten abhängt.

Das Öko-Institut ist in einer sehr ausführlichen Studie der Frage nach der Ökobilanz eines E-Readers nachgegangen und kommen zu folgendem Ergebnis:

„Diese Entlastungen kommen bezogen auf die Treibhausgas-emissionen ab einem effektiven Ersatz von 22 Büchern mit jeweils 200 Seiten pro E-Book-Reader zum Tragen und werden umso größer, je umfassend ein E-Book-Reader gedruckte Medien substituiert.“

Öko-Institut, 2011

Laut Öko-Institut (3) lohnt sich ein E-Reader also ab einer Zahl von 4.400 Seiten. Andere Studien kommen zu deutlich höheren Zahlen Erst wenn mit dem E-Reader mehr als 40 Bücher (mit jeweils min. 360 Seiten) gelesen wurden, ist der C02 Fußabdruck geringer (1, 2) – das wäre dann nach 14.400 Seiten der Fall. Auch das Papier auf dem das Buch gedruckt wurde spielt eine Rolle. Handelt es sich um gebleichtes Papier oder reycling Papier, letzteres hat eine deutlich bessere C02 Bilanz. Letztendlich is natürlich auch die Stromversorgung des E-Readers ein entscheidender Faktor für die C02 Bilanz. Beziehe ich Strom aus erneuerbaren Energien oder nutze ich bspw. Kohlestrom und vervielfache so den CO2 Abdruck des E-Readers? Ihr seht, die Frage ist keineswegs so einfach zu beantworten, wie es zunächst vielleicht scheint. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ein E-Reader vor allem für Vielleser sinnvoll ist. Einen besonders geringen C02 Abdruck haben natürlich Bücher die von mehreren Personen gelesen werden. Eine gute Option ist es also sich Bücher bspw. über eine Bücherei oder einfach im Freundeskreis auszuleihen. Gerade bei Fachbüchern ist diese Option aber leider nicht immer gegeben.

Ich selbst habe mich für einen E-Reader entschieden. In guten Phasen lese ich auch mal 500-600 Seiten in der Woche, dazwischen natürlich auch deutlich weniger. Ich leihe mir aber auch Bücher von Freunden und Bekannten, wenn es sich ergibt. Insbesondere bei Fachbüchern bin ich dann aber doch meist wieder auf meinen E-Reader angewiesen. Bei der Menge an gelesenen Bücher bekomme ich zudem schnell Platzprobleme und gerade bei nur einmal gelesenen Büchern finde ich es dann schade, wenn sie nur in der Ecke stehen. Übrigens komme ich mit dem E-Reader wunderbar zurecht, meine größte Sorge war anfangs nämlich, dass ich kein gutes Lesegefühl habe. Ich lese extrem ungeren auf elektronischen Geräten, wie am PC oder auf dem Handy, das Lesegefühl mit einem E-Reader ist aber zum Glück ein völlig anderes.

Nutzt ihr einen E-Reader oder lest ihr lieber klassisch ein Buch, welches ihr auch anfassen könnt?

(1) KATAPULT Magazin (2019): Buch oder E-Paper, was ist umweltschädlicher?
(2) Jeswani/Azapagic: Is e-reading environmentally more sustainable than conventional reading?, in: Clean Technologies and Environmental Policy (17) 2014, H. 3, S. 803-809
(3) Öko-Institut (2011): PROSA – E-Book-Reader.Entwicklung der Vergabekriterien für ein klimaschutzbezogenes Umweltzeichen.Studie im Rahmen des Projekts „Top 100 – Umweltzeichen für klima-relevante Produkte“
Utopia (2015): Elektronische Bücher: Sind E-Book Reader wirklich öko?

[die gezeigten Bücher wurden selbst erworben, ich erhalte kein Geld dafür]

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